BU-Urteile nach Erkrankung

Berufsunfähigkeit bei Unfallverletzung: Urteile

Wie beurteilen Gerichte die Berufsunfähigkeit bei Unfallverletzung? Hier finden Sie 18 Entscheidungen, in denen Unfallverletzung eine Rolle spielte, mit Zusammenfassung und Link zum Volltext.

18 Entscheidungen, davon 9 vom Bundesgerichtshof · 5 ganz oder teilweise zugunsten der Versicherten

Nach einem Unfall ist die Ursache der Beschwerden meist klar. Streit mit dem Versicherer entsteht trotzdem. Er fragt, welcher Beruf zuletzt tatsächlich ausgeübt wurde, ob nach Reha oder Umschulung eine Verweisung möglich ist und wann genau die Berufsunfähigkeit eingetreten ist. Nicht selten zahlt er zunächst befristet aus Kulanz und stellt später ein. Hinzu kommen Unfallfolgen, die sich erst mit der Zeit zeigen, etwa Schmerzen, Konzentrationsstörungen oder psychische Beschwerden. Auch sie gehören in die Bewertung.

Die Urteile dieser Gruppe sind gemischt. In der Hälfte der Fälle behielt der Versicherer recht, mehrere Verfahren gingen zur weiteren Prüfung zurück. Ein Baumeister, der am ersten Tag einer neuen Stelle verunglückte, scheiterte, weil seine frühere Tätigkeit als Geschäftsführer maßgeblich blieb und er deren Inhalt nicht belegen konnte (LG Dortmund). Mehrere Entscheidungen betreffen die Verweisung nach Umschulung und den Einkommensvergleich. Einem früheren Maurer-Auszubildenden half dabei ein unbefristetes Anerkenntnis, von dem sich der Versicherer nicht durch eine spätere Absprache lösen konnte (BGH). Der BGH verlangte außerdem, psychische Unfallfolgen mitzubegutachten, wenn der Versicherte sie vorträgt. Wer nach einer Ablehnung zu lange wartet, riskiert die Verjährung des gesamten Anspruchs (BGH).

Dokumentieren Sie nach einem Unfall Ihren Beruf vor dem Unfall genau und lassen Sie alle Beschwerden ärztlich festhalten, auch psychische. Unterschreiben Sie Vereinbarungen über befristete Leistungen nicht ungeprüft. Nach einer Ablehnung oder Einstellung kann eine kostenlose Erstprüfung klären, welche Schritte in Ihrem Fall sinnvoll sind.

BGH · Beschluss vom · IV ZR 131/23

BGH: Psychische Beschwerden müssen mitbegutachtet werden

Ein Gericht darf eine BU-Klage nicht nur auf ein orthopädisches Gutachten stützen, wenn der Versicherte auch psychische Beschwerden vorgetragen hat.

  • Zugunsten der Versicherten
  • Mit Praxistipp
  • Gutachten und Beweis
  • Psychische Erkrankungen
  • Chronische Schmerzen
  • Depression
  • Produktionsarbeiter

OLG Hamm · Hinweisbeschluss vom · 20 U 238/22

Verweisung nach Nachprüfung trotz bereits ausgeübtem Umschulungsberuf

Verschweigt der Versicherte beim Anerkenntnis Infos zum neuen Gehalt, kann der Versicherer später auf den schon ausgeübten neuen Beruf verweisen.

  • Zugunsten des Versicherers
  • Nachprüfung und Leistungseinstellung
  • Verweisung auf einen anderen Beruf
  • Unfallverletzung
  • Produktionsmitarbeiter

BGH · Urteil vom · IV ZR 153/20

Nachversicherung: Wann genau tritt die Berufsunfähigkeit ein?

Der BGH stellt klar: Je nach Klausel beginnt die BU erst nach sechs Monaten. Das kann über eine erhöhte Rente aus einer Nachversicherung entscheiden.

  • Zurückverwiesen / offen
  • Mit Praxistipp
  • Berufsunfähigkeit und letzter Beruf
  • Beiträge, Dynamik und Zinsen
  • Unfallverletzung

OLG Hamm · Beschluss vom · 20 U 22/21

Akzeptierter Leistungsausschluss für Wirbelsäule gilt rückwirkend

Wer nach einer Anzeigepflichtverletzung einen Leistungsausschluss akzeptiert, verliert BU-Leistungen für Rückenleiden auch rückwirkend.

  • Zugunsten des Versicherers
  • Gesundheitsfragen, Rücktritt und Anfechtung
  • Anerkenntnis, Befristung und Vergleich
  • Rückenleiden
  • Unfallverletzung
  • Metallbauer

BGH · Hinweisbeschluss vom · IV ZR 247/18

Keine Vertragsanpassung, wenn Versicherter die Vorerkrankung nicht kannte

Der BGH stellt klar: Was der Versicherte bei Antragstellung nicht wusste, muss er nicht angeben – auch nicht bei fahrlässiger Unkenntnis.

  • Zugunsten der Versicherten
  • Mit Praxistipp
  • Gesundheitsfragen, Rücktritt und Anfechtung
  • Unfallverletzung

BGH · Urteil vom · IV ZR 90/18

BU-Stammrecht kann auch nach der VVG-Reform verjähren

Nicht nur einzelne Rentenzahlungen, sondern der gesamte BU-Anspruch aus einem Versicherungsfall kann verjähren – auch nach neuem VVG.

  • Zurückverwiesen / offen
  • Mit Praxistipp
  • Verjährung
  • Beiträge, Dynamik und Zinsen
  • Unfallverletzung

BGH · Hinweisbeschluss vom · IV ZR 182/17

Korallenzucht neben dem Job war Hobby, kein mitversicherter Beruf

Eine Nebentätigkeit zählt nur zum versicherten Beruf, wenn sie schon der Lebensgrundlage dient. Pläne für einen Berufswechsel sind nicht versichert.

  • Zugunsten des Versicherers
  • Mit Praxistipp
  • Berufsunfähigkeit und letzter Beruf
  • Selbständige und Umorganisation
  • Knieverletzung
  • Unfallverletzung
  • Diplom-Ingenieur

BGH · Beschluss vom · IV ZR 510/15

Rücktritt: Gericht muss auf Kausalitätsgegenbeweis hinweisen

Ein verschwiegenes Leiden führt nur zur Leistungsfreiheit, wenn es für die BU ursächlich ist. Darauf muss das Gericht hinweisen.

  • Zurückverwiesen / offen
  • Mit Praxistipp
  • Gesundheitsfragen, Rücktritt und Anfechtung
  • Gutachten und Beweis
  • Psychische Erkrankung
  • Unfallverletzung

LG Bonn · Urteil vom · 9 O 60/12

Observation durch den BU-Versicherer bei Anfangsverdacht zulässig

Ein BU-Versicherer darf einen Versicherten beruflich observieren und fotografieren, wenn konkrete Anhaltspunkte gegen die Berufsunfähigkeit sprechen.

  • Zugunsten des Versicherers
  • Nachprüfung und Leistungseinstellung
  • Weitere Rechtsfragen
  • Unfallverletzung
  • Depression
  • Geschäftsführer

BGH · Urteil vom · IV ZR 287/10

Einkommensvergleich bei Verweisung: Arbeitslosengeld I zählt mit

Beim Einkommensvergleich für eine konkrete Verweisung kann saisonales Arbeitslosengeld I mitzählen. Ob brutto oder netto, hängt vom Einzelfall ab.

  • Zugunsten des Versicherers
  • Mit Praxistipp
  • Verweisung auf einen anderen Beruf
  • Nachprüfung und Leistungseinstellung
  • Unfallverletzung
  • Maler

BGH · Urteil vom · IV ZR 269/08

Anerkenntnis bindet: Azubi nach Umschulung nicht verweisbar

Nach einem unbefristeten Anerkenntnis darf der Versicherer nicht auf einen schon damals möglichen Beruf verweisen. Nachteilige Absprachen sind treuwidrig.

  • Zugunsten der Versicherten
  • Mit Praxistipp
  • Anerkenntnis, Befristung und Vergleich
  • Verweisung auf einen anderen Beruf
  • Unfallverletzung
  • Auszubildender Maurer

LG Dortmund · Urteil vom · 2 O 501/07

Neuer Arbeitsvertrag reicht nicht: Der zuletzt ausgeübte Beruf zählt

Ein Baumeister verunglückte am ersten Tag einer neuen Stelle. Maßgeblich blieb seine frühere Geschäftsführertätigkeit, deren Bild er nicht belegen konnte.

  • Zugunsten des Versicherers
  • Berufsunfähigkeit und letzter Beruf
  • Gutachten und Beweis
  • Unfallverletzung
  • Handverletzung
  • Bauunternehmer

LG Köln · Urteil vom · 26 O 497/06

Rücktritt wirksam: Verschwiegene Wirbelsäulenbehandlungen kosten BU-Schutz

Wer frühere Behandlungen wegen Halswirbelsäule und Rücken im Antrag verschweigt, verliert den BU-Schutz durch wirksamen Rücktritt des Versicherers.

  • Zugunsten des Versicherers
  • Gesundheitsfragen, Rücktritt und Anfechtung
  • Rückenleiden
  • Unfallverletzung
  • Geschäftsführer

OLG Köln · Urteil vom · 5 U 180/06

Versicherer musste fingierte BU anerkennen – Leistung bis zur Nachprüfung

Statt befristeter Kulanz hätte der Versicherer nach sechs Monaten anerkennen müssen; die Leistung endet erst nach Nachprüfung.

  • Teilweise erfolgreich
  • Anerkenntnis, Befristung und Vergleich
  • Nachprüfung und Leistungseinstellung
  • Unfallverletzung
  • Psychische Erkrankung

BGH · Urteil vom · IV ZR 232/03

Verlorene Fachkenntnisse begründen keine spätere Berufsunfähigkeit

Wer auf einen Vergleichsberuf verweisbar ist, wird nicht dadurch berufsunfähig, dass ihm später das Fachwissen fehlt. Nur Gesundheit zählt.

  • Zurückverwiesen / offen
  • Mit Praxistipp
  • Verweisung auf einen anderen Beruf
  • Gutachten und Beweis
  • Unfallverletzung
  • Depression
  • Straßenbaumeister

OLG Hamm · Urteil vom · 20 U 138/06

Inhaftierten Sohn als Hausmann angegeben: Anfechtung wirksam

Wer beim Antrag den Beruf falsch angibt und eine aktuelle Haft verschweigt, verliert den BU-Schutz durch Anfechtung wegen arglistiger Täuschung.

  • Zugunsten des Versicherers
  • Gesundheitsfragen, Rücktritt und Anfechtung
  • Unfallverletzung

LG Köln · Urteil vom · 23 O 508/02

Nach Schädel-Hirn-Trauma: Nur Teilrente bei BU-Grad unter 50 %

Ein selbständiger Versicherungsmakler erhielt nach einem Unfall nur für ein Jahr eine Drittel-Rente, weil sein BU-Grad laut Gutachten danach sank.

  • Zugunsten des Versicherers
  • Anerkenntnis, Befristung und Vergleich
  • Gutachten und Beweis
  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Unfallverletzung
  • Versicherungsvermittler

OLG Hamm · Urteil vom · 20 U 65/02

Vergleich ist kein Anerkenntnis, aber sechs Monate AU begründen BU

Ein Vergleich über einen begrenzten Zeitraum bindet den Versicherer nicht wie ein Anerkenntnis. Sechs Monate Arbeitsunfähigkeit können aber BU auslösen.

  • Teilweise erfolgreich
  • Anerkenntnis, Befristung und Vergleich
  • Gutachten und Beweis
  • Knieverletzung
  • Unfallverletzung
  • Raumausstatter

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