BU-Urteile nach Erkrankung

Berufsunfähigkeit bei Bandscheibenvorfall: Urteile

Wie beurteilen Gerichte die Berufsunfähigkeit bei Bandscheibenvorfall? Hier finden Sie 21 Entscheidungen, in denen Bandscheibenvorfall eine Rolle spielte, mit Zusammenfassung und Link zum Volltext.

21 Entscheidungen, davon 7 vom Bundesgerichtshof · 6 ganz oder teilweise zugunsten der Versicherten

Nach einem Bandscheibenvorfall ist oft unstreitig, dass schwere körperliche Arbeit nicht mehr geht. Der Streit verlagert sich dann auf andere Fragen. Erreicht die Einschränkung im konkreten Beruf wirklich 50 %? Darf der Versicherer auf eine andere Tätigkeit verweisen, etwa nach einer Umschulung? Und wurden frühere Rückenbeschwerden im Antrag vollständig angegeben? Die Diagnose allein entscheidet keine dieser Fragen. Maßgeblich ist, wie sich der Vorfall auf die einzelnen Arbeitsschritte und die davon abhängigen Aufgaben auswirkt.

Die Urteile dieser Gruppe gingen überwiegend zugunsten der Versicherer aus. Das OLG Düsseldorf wies die Klage eines Außendienstlers mit mehreren Bandscheibenvorfällen ab, obwohl er eine gesetzliche Erwerbsunfähigkeitsrente bezog und ein anderer Versicherer gezahlt hatte. Der Grad von 50 % ließ sich nicht sicher feststellen. Bei einer Auszubildenden griff eine Klausel im Antragsformular, die eine Verweisung auf andere Ausbildungen erlaubte (LG Aachen). Erfolge gab es bei genauem Vortrag. Ein Betriebsschlosser gewann, weil er auch die Hausmeistertätigkeit, auf die ihn der Versicherer verwies, gesundheitlich nicht schaffte (OLG Hamm). Der BGH entschied für einen Zahntechnikermeister, dass Büroarbeit mitzählt, wenn sie mit der Handarbeit zurückgeht. Mehrere weitere Klagen scheiterten an verschwiegenen Vorbehandlungen.

Halten Sie fest, welche Arbeitsschritte seit dem Vorfall wegfallen und welche Aufgaben davon abhängen. Prüfen Sie Antrag und Bedingungen auf Klauseln zur Verweisung. Bevor Sie eine Ablehnung hinnehmen, kann eine kostenlose Erstprüfung klären, ob sich ein Vorgehen lohnt.

BGH · Urteil vom · IV ZR 101/20

Kein rückwirkend befristetes Anerkenntnis für abgeschlossenen Zeitraum

Der BGH: Ein befristetes Anerkenntnis darf nicht rückwirkend für eine beendete BU-Phase erklärt werden. Leistungen laufen länger weiter.

  • Teilweise erfolgreich
  • Mit Praxistipp
  • Anerkenntnis, Befristung und Vergleich
  • Nachprüfung und Leistungseinstellung
  • Bandscheibenvorfall
  • Medizinischer Fachangestellter

OLG Köln · Urteil vom · 20 U 287/20

Verschwiegene Krankschreibung wegen Belastung: Anfechtung wirksam

Eine kurz vor Antrag verschwiegene Krankschreibung wegen akuter Belastungsreaktion führte zur wirksamen Arglistanfechtung des BU-Vertrags.

  • Zugunsten des Versicherers
  • Gesundheitsfragen, Rücktritt und Anfechtung
  • Bandscheibenvorfall
  • Psychische Erkrankung
  • Produktionshelfer

BGH · Beschluss vom · IV ZR 88/20

Zahntechnikermeister: Büroarbeit sinkt mit der Handarbeit – Vortrag genügt

Der BGH: Gerichte dürfen die Darlegungslast nicht überspannen. Hängen Nebentätigkeiten von der Hauptarbeit ab, reicht dieser Vortrag zur BU aus.

  • Zurückverwiesen / offen
  • Mit Praxistipp
  • Berufsunfähigkeit und letzter Beruf
  • Selbständige und Umorganisation
  • Bandscheibenvorfall
  • Zahntechniker

LG Aachen · Urteil vom · 9 O 411/19

Anfechtung wirksam: Behandlung wegen Belastungsreaktion verschwiegen

Das LG Aachen hielt die Arglistanfechtung einer BU-Versicherung für wirksam. Der Versicherte hatte eine laufende psychische Behandlung nicht angegeben.

  • Zugunsten des Versicherers
  • Gesundheitsfragen, Rücktritt und Anfechtung
  • Bandscheibenvorfall
  • Psychische Erkrankung
  • Produktionshelfer

BGH · Urteil vom · IV ZR 19/18

Einkommensvergleich bei Verweisung: Altes Gehalt wird nicht hochgerechnet

Beim Einkommensvergleich zur Verweisung zählt grundsätzlich das tatsächlich erzielte Einkommen vor der BU, ohne Hochrechnung auf heutige Löhne.

  • Zurückverwiesen / offen
  • Mit Praxistipp
  • Verweisung auf einen anderen Beruf
  • Nachprüfung und Leistungseinstellung
  • Bandscheibenvorfall
  • Dachdecker

OLG Hamm · Urteil vom · 20 U 178/16

Betriebsschlosser mit Rückenleiden: Verweisung auf Hausmeister scheitert

Kann der Versicherte auch den Verweisungsberuf gesundheitlich nicht ausüben, ist er berufsunfähig. Hier scheiterte die Verweisung auf Hausmeister.

  • Zugunsten der Versicherten
  • Verweisung auf einen anderen Beruf
  • Gutachten und Beweis
  • Bandscheibenvorfall
  • Rückenleiden
  • Betriebsschlosser

OLG Hamm · Urteil vom · 20 U 129/16

Schlaganfall nach Vertragsschluss: Verschwiegene Rückenleiden kosten BU

Wer bekannte Wirbelsäulen- und Kniebeschwerden im Antrag verneint, riskiert die Arglistanfechtung – auch wenn die spätere BU andere Ursachen hat.

  • Zugunsten des Versicherers
  • Gesundheitsfragen, Rücktritt und Anfechtung
  • Schlaganfall
  • Bandscheibenvorfall

LG Bochum · Urteil vom · 4 O 218/16

Arglistanfechtung: Arbeitslosigkeit verschwiegen und Einkommen falsch

Wer bei Antragstellung einen Beruf statt der Arbeitslosigkeit angibt und die Einkommensfrage falsch beantwortet, riskiert die Anfechtung wegen Arglist.

  • Zugunsten des Versicherers
  • Gesundheitsfragen, Rücktritt und Anfechtung
  • Selbständige und Umorganisation
  • Bandscheibenvorfall
  • Selbständiger

BGH · Urteil vom · IV ZR 434/15

Mehr Freizeit gleicht geringeres Einkommen bei Verweisung nicht aus

Der BGH stellt klar: Bei der Nachprüfung dürfen mehr Freizeit und weniger Belastung eine Einkommenseinbuße nicht aufwiegen.

  • Zugunsten der Versicherten
  • Mit Praxistipp
  • Verweisung auf einen anderen Beruf
  • Nachprüfung und Leistungseinstellung
  • Bandscheibenvorfall
  • Pflegekraft

BGH · Urteil vom · IV ZR 431/14

Fehlt Klausel im Versicherungsschein, gilt der günstigere Schein

Weicht der Versicherungsschein zugunsten der Versicherten vom Antrag ab, gilt der Schein. Eine nur im Antrag stehende Klausel gilt nicht.

  • Zugunsten der Versicherten
  • Mit Praxistipp
  • Verweisung auf einen anderen Beruf
  • Weitere Rechtsfragen
  • Bandscheibenvorfall
  • Auszubildender

LG Aachen · Urteil vom · 9 O 202/13

Auszubildende mit Bandscheibenvorfall auf andere Ausbildung verwiesen

Eine Klausel im Antragsformular erlaubte, Azubis auf andere Ausbildungen zu verweisen. Die Klage einer Azubi mit Bandscheibenvorfall scheiterte.

  • Zugunsten des Versicherers
  • Verweisung auf einen anderen Beruf
  • Weitere Rechtsfragen
  • Bandscheibenvorfall
  • Auszubildender

LG Dortmund · Urteil vom · 2 O 3/10

Kein Schadensersatz vom Vermittler: Rücktritt verhinderte die Rente nicht

Wer den Vermittler für einen BU-Rücktritt haftbar machen will, muss zeigen, dass dessen Fehler den Rentenverlust verursacht hat.

  • Zugunsten des Versicherers
  • Gesundheitsfragen, Rücktritt und Anfechtung
  • Weitere Rechtsfragen
  • Borreliose
  • Bandscheibenvorfall
  • Zimmermann

OLG Köln · Urteil vom · 5 U 237/06

Fahrlehrer scheitert an widersprüchlicher Beschreibung seiner Tätigkeit

Ohne nachvollziehbare, widerspruchsfreie Beschreibung des zuletzt ausgeübten Berufs lässt sich BU nicht feststellen. Ein Fahrlehrer scheiterte.

  • Zugunsten des Versicherers
  • Berufsunfähigkeit und letzter Beruf
  • Selbständige und Umorganisation
  • Bandscheibenvorfall
  • Rückenleiden
  • Fahrlehrer

OLG Hamm · Urteil vom · 18 U 179/06

BU durch Dread-Disease-Police ersetzt: Haftung des Vermittlers möglich

Ersetzt ein Vermittler eine BU-Versicherung durch eine schwächere Dread-Disease-Police, kann er als Makler haften. Der Fall geht zurück ans Landgericht.

  • Zurückverwiesen / offen
  • Weitere Rechtsfragen
  • Verjährung
  • Bandscheibenvorfall
  • Zahnarzt

OLG Düsseldorf · Urteil vom · 4 U 39/04

Außendienstler mit Rückenleiden: 50-%-Grad nicht bewiesen

Wer den Grad der Berufsunfähigkeit von 50 % nicht beweisen kann, verliert – auch bei Bandscheibenvorfällen und anerkannter Erwerbsunfähigkeitsrente.

  • Zugunsten des Versicherers
  • Gutachten und Beweis
  • Berufsunfähigkeit und letzter Beruf
  • Bandscheibenvorfall
  • Rückenleiden
  • Außendienstmitarbeiter

OLG Düsseldorf · Urteil vom · I-4 U 81/06

Arglist: Monatelange Rückenbehandlung als Befund-Bagatelle verharmlost

Ein Industriemechaniker gab statt langer Rückenbehandlungen nur eine Untersuchung ohne Befund an. Die Arglistanfechtung des BU-Versicherers war wirksam.

  • Zugunsten des Versicherers
  • Gesundheitsfragen, Rücktritt und Anfechtung
  • Bandscheibenvorfall
  • Rückenleiden
  • Industriemechaniker

BGH · Urteil vom · IV ZR 244/03

Vereinbarung während Umschulung: Versicherer muss auf Nachteile hinweisen

Der BGH: Der Versicherer kann sich nicht auf eine nachteilige Vereinbarung berufen, wenn er nicht deutlich über die Rechte aufgeklärt hat.

  • Zugunsten der Versicherten
  • Mit Praxistipp
  • Anerkenntnis, Befristung und Vergleich
  • Verweisung auf einen anderen Beruf
  • Bandscheibenvorfall
  • Fischer

BGH · Beschluss vom · IV ZR 302/05

Rücktritt von der BU-Zusatzversicherung lässt Lebensversicherung bestehen

Wer Rückenleiden verschweigt, riskiert den Rücktritt von der BUZ. Die Lebensversicherung bleibt nach Ablauf ihrer Rücktrittsfrist bestehen.

  • Teilweise erfolgreich
  • Mit Praxistipp
  • Gesundheitsfragen, Rücktritt und Anfechtung
  • Weitere Rechtsfragen
  • Bandscheibenvorfall
  • Rückenleiden

OLG Köln · Urteil vom · 5 U 126/04

Klagefrist versäumt: Anwalt reichte Klage nach PKH zu spät ein

Nach altem Recht (§ 12 Abs. 3 VVG a.F.) verlor ein Versicherter seine BU-Ansprüche, weil die Klage nach Bewilligung der Prozesskostenhilfe zu spät kam.

  • Zugunsten des Versicherers
  • Verjährung
  • Gesundheitsfragen, Rücktritt und Anfechtung
  • Bandscheibenvorfall

OLG Hamm · Urteil vom · 20 U 194/01

Nach gelungener Umorganisation: Jobverlust ist kein BU-Fall

Ein Gärtnermeister hatte seinen Betrieb umorganisiert und wurde später als Geschäftsführer abberufen. Der Verlust des Arbeitsplatzes ist nicht versichert.

  • Zugunsten des Versicherers
  • Selbständige und Umorganisation
  • Berufsunfähigkeit und letzter Beruf
  • Bandscheibenvorfall
  • Rückenleiden
  • Gärtnermeister

OLG Köln · Urteil vom · 5 U 27/96

Rückenbeschwerden kurz vor Antrag verschwiegen: Vertrag angefochten

Wer bekannte Rückenbeschwerden kurz vor Antragstellung verschweigt, riskiert Rücktritt und Arglistanfechtung – auch mit Verweis auf den Vertreter.

  • Zugunsten des Versicherers
  • Gesundheitsfragen, Rücktritt und Anfechtung
  • Bandscheibenvorfall
  • Rückenleiden
  • Geschäftsführer

← Alle BU-Urteile durchsuchen